Frank M. Ahearn identifiziert Romantik-Betrüger.

Frank M. Ahearn identifiziert Romantik-Betrüger

DIE BOX

Meine Klientin Lina war mit einem angeblichen Soldaten liiert. Sie lernte ihn über eine Dating-App kennen und sie unterhielten sich über WhatsApp. Er behauptete, dass er seine letzte Tour als Ingenieur in Afghanistan beenden würde und daran interessiert sei, sie in St. Moritz zu besuchen. Er fragte, ob es in Ordnung sei, ihr vor seiner Ankunft eine Kiste mit seinen Sachen zu schicken, natürlich stimmte sie zu. Es verging nicht viel Zeit und meine Klientin erhielt ein Paket, das scheinbar vom Militär war. Sie bewahrte es an einem sicheren Ort auf.


Ihr Chatten ging weiter und wie es bei den meisten Online Dating-Betrügereien der Fall ist, führten sie nie ein persönliches Videogespräch. Seine Ausrede lautete, dass es ihm seine militärische Sicherheitsfreigabe nicht erlaubte, persönliche Videogespräche zu führen. Als sie am Telefon sprachen, gab es so viele Hintergrundgeräusche, dass Lina ihn kaum verstehen konnte. Er behauptete, er sei auf dem Schlachtfeld.


Eine Woche vor seiner Ankunft teilte er meiner Klientin mit, dass er seine Reise verschieben müsse, da es Probleme mit seinem Ausgang gebe, aber er gab keine Details preis. Meine Klientin war sehr besorgt und drängte ihn um eine Erklärung. Beschämt sagte er ihr, dass er eine Gebühr an das Militär zahlen müsse, um seine Ausgangspapiere zu erhalten. Allerdings hatte er sein ganzes Geld in der Kiste verschickt.


Der Militärbetrüger bat sie, ihm das Geld für seinen Ausgang zu schicken. Sobald er bei ihr sei, würde er ihr das Geld aus seiner Box zurückerstatten. Widerwillig, aber weil sie wollte, dass ihre Beziehung sich weiterentwickelt, schickte ihm Lina mehrere tausend Franken.

Ein paar Tage vergingen bis er ihr mitteilte, dass nun alles in Ordnung sei und er für die Reise bereit war. Allerdings, sein Trumpf: Er brauchte noch mehr Geld, um den Rest seines Hab und Guts zu verschicken und auch um ein Flugticket zu kaufen. Wäre es möglich, dass sie ihm mehr Geld schickt? Das tat sie.


Wenn Lina sich die Zeit genommen hätte, die Kiste genauer anzusehen, hätte sie gemerkt, dass sie aus London und nicht aus Afghanistan kam. Und wenn sie darum gebeten hätte, die Box zu öffnen, bevor sie Geld schickte, hätte sie alte Socken und T-Shirts gefunden, aber keine US Dollar.


Als er nicht kam, öffnete Lina die Kiste und konfrontierte den Betrüger mit dem Inhalt. Er behauptete, es sei nicht seine Box gewesen; jemand musste sie vertauscht haben. Als er sich zurückmeldete, meinte er, dass sein Paket beim Zoll festgehalten wurde und er eine Steuer zahlen müsse. Er bat sie erneut um Geld. Lina lernte daraus und brach den Kontakt schließlich ab.


Abgesehen davon, dass kein persönliches Videogespräch eine rote Flagge ist, muss man eine Grenze ziehen und unter keinen Umständen Geld an einen Fremden verschicken. Eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen ist die Überprüfung der Identität der Person. Sind sie die, für die sie sich ausgeben? Können Sie oder sie es zu 100% beweisen? Wenn nicht, bitten Sie einen Fachmann darum, die Identität der Person zu beweisen oder diese zu widerlegen. Diese Aktion kann Ihnen beides ersparen: viel Geldverlust und Liebeskummer.

 

Frank M. Ahearn identifiziert Romantik-Betrüger.


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